Generationenwohnen in Neubausiedlungen

Dr. Michèle Métrailler, Sanna Frischknecht und Thomas Isenschmid
Berner Fachhochschule, Institut Alter

Die aktuelle demografische Entwicklung hat Auswirkungen auf die Raum- und Stadtentwicklung. Verdichteter Wohnraum und flexible Raumlösungen stellen hier zentrale Herausforderungen für künftige Bauvorhaben dar. Ebenso braucht es Infrastruktur und Unterstützungsangebote, die sich den Bedürfnissen der unterschiedlichen Generationen anpassen. Einen Lösungsansatz bietet das Konzept Generationenwohnen, das in der Siedlung Holliger Gestalt annimmt.

Bau- und Forschungsprojekt Holliger

Im Westen von Bern realisieren sechs gemeinnützige Bauträgerinnen (fünf Genossenschaften und eine AG für nachhaltiges Bauen) gemeinsam die generationendurchmischte Neubausiedlung Holliger. Mit rund 300 Wohnungen in sechs Gebäuden soll bezahlbarer Wohnraum für junge, junggebliebene und ältere Menschen entstehen. Die Initiierung und Ausgestaltung des Generationenwohnens im Holliger wird durch das Institut Alter der Berner Fachhochschule wissenschaftlich begleitet.

In einer durch die Age Stiftung finanzierten Begleitstudie untersuchen die ForscherInnen, wie Generationenwohnen auf dem Neubauareal im Planungs- und Entwicklungsprozess integriert wird und wie es umgesetzt werden soll. Was verstehen die Bauträgerinnen und zukünftigen BewohnerInnen unter Generationenwohnen? Welche räumlichen Strukturen und sozialen Prozesse können Beziehungen zwischen den Generationen fördern? Wie gelingt die Zusammenarbeit mehrerer genossenschaftlicher Bauträgerinnen auf einem Baufeld? Mit der Beantwortung dieser Fragen soll künftig vergleichbaren Bauvorhaben ein Orientierungsrahmen geboten werden.

Erste Erkenntnisse

Die Begleitforschung, die bis Ende 2020 läuft, bringt bereits erste Erkenntnisse ans Licht. Es zeigt sich, dass im Holliger weit mehr angestrebt wird, als die blosse Altersdurchmischung der MieterInnen. So verbinden die Bauträgerinnen mit dem Konzept Generationenwohnen neben einem ausgewogenen Generationenmix auch soziale Durchmischung, die Partizipation und Eigenverantwortung der BewohnerInnen sowie gesellige als auch unterstützende nachbarschaftliche Beziehungen.

Gefördert werden diese Bestrebungen einerseits räumlich durch einen geeigneten Wohnungsmix. Neben unterschiedlichen Wohnungsgrössen beinhaltet dieser auch flexible Wohnlösungen wie Schaltzimmer oder Cluster-Wohnungen sowie siedlungsübergreifende Gemeinschaftsräume. Der öffentliche und halböffentliche Raum wird nicht nur familien- und altersgerecht gestaltet, sondern soll durch seine Aufenthaltsqualität, Infrastrukturangebote und räumliche Gestaltung auch für AnwohnerInnen aus dem umgebenden Stadtteil zum Begegnungsort werden. Durch die bewusste Förderung sozialer Aspekte wie die Vernetzung der Siedlung im Quartier, die Partizipation der BewohnerInnen oder die Ausgestaltung der Vermietungsreglemente wird zudem zur Realisierung des Generationenwohnens im Holliger beigetragen.

Noch muss der Holliger Gestalt annehmen und die ersten BewohnerInnen willkommen heissen. Ob und wie eine generationendurchmischte Siedlung entsteht, wird sich zeigen, wenn 2024 das letzte Haus bezogen wird. Wir sind gespannt!

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