Age Report IV: Wohnvorstellungen von Senioren

Dr. Antonia Jann

Im neuen Age Report, der erstmals auch auf Französisch erscheint und die ganze Schweiz abdeckt, kommen Frauen und Männer ab 65 mit ihren Wohnvorstellungen und Wohnwünschen zu Wort. Dazu gehören heute auch die Nachkriegs-Babyboomer, die mit anderen Werten, Erwartungen und Ressourcen ins Rentenalter eingetreten sind. Eine gross angelegte Befragung bei über 2500 Seniorinnen und Senioren zeigt, wie die Menschen im Alter wohnen und wie sie sich ihre Zukunft vorstellen.

François Höpflinger, der die schweizweite Befragung ausgewertet hat, erörtert im Age Report IV, was die Zufriedenheit der Wohnsituation von Seniorinnen und Senioren beeinflusst.

Gute Nachbarschaft

Die Analyse zeigt, dass ältere Menschen mit ihrer Wohnsituation zufriedener sind, wenn sie auf die Hilfe der Nachbarn zählen können. Für die dreissig Prozent, die keine Kontakte in der Nachbarschaft pflegen, ist dies jedoch nicht möglich. Wie wichtig Nachbarschaftsbeziehungen sind, zeigt sich auch bei den Wohnwünschen für die Zukunft. Zwei Drittel der Befragten möchten später in einem Haus wohnen, in welchem eine gute Nachbarschaft gepflegt wird. Die Mehrheit wünscht sich, dass sich in dieser Nachbarschaft verschiedene Generationen mischen. Irgendwann in einem Haus zu wohnen, wo nur ältere Menschen leben, können sich nur wenige (12%) vorstellen. Am häufigsten ist dies bei Personen mit körperlichen Einschränkungen der Fall. 

Immer noch eine Minderheit

Der starke Wunsch nach gutnachbarschaftlichen Beziehungen führt jedoch nicht automatisch zur Bereitschaft, Wohnfläche gemeinschaftlich zu nutzen. Wohn- und Hausgemeinschaften im Alter kommen in allen Landesteilen nur für eine Minderheit der älteren Bevölkerung in Betracht (10% bzw. 25%). Die Zustimmung zu gemeinschaftlichen Wohnformen sinkt mit steigendem Alter. Darin dürfte sich weniger ein Alterseffekt widerspiegeln als die Tatsache, dass jüngere Rentnergenerationen mit solchen Wohnformen vertrauter sind. Bei den Babyboomers sind es zudem eher Personen mit höherer Bildung, die leicht mehr Interesse an solchen alternativen Wohnoptionen aufweisen.

Mehr als ein Drittel der Ausgaben fürs Wohnen

Obwohl die Age-Wohnerhebung 2018 zeigt, dass eine Mehrheit der Altersrentnerinnen und -rentner ihre finanzielle Lage als gut bis sehr gut einstuft, ist es oft eine Frage des Geldes, ob ältere Menschen ihre Wohnwünsche umsetzen können. Personen mit geringen Renteneinkommen sind von relativ hohen Wohnausgaben betroffen. Bei 60% der alleinstehenden älteren Menschen betragen die Wohnausgaben mehr als ein Drittel des verfügbaren Renteneinkommens. Eine Erhöhung der Mietkosten durch einen Umzug kann mit ein Grund sein, warum nach der Pensionierung die meisten Personen an ihrem angestammten Wohnort verbleiben und die Umzugsbereitschaft mit fortschreitendem Alter sinkt.

Die digitale Revolution hat auch das Alter erreicht

Von einer neuen Generation Seniorinnen und Senioren zeugen die Daten zur Nutzung digitaler Informationstechnologie. Der Anteil älterer Menschen, die über einen Internetanschluss verfügen, hat sich in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht. Allerdings waren auch 2018 gut die Hälfte der zuhause lebenden 80-jährigen und älteren Menschen noch nicht mit dem World Wide Web verbunden. Zudem sinkt die tatsächlich Internetnutzung mit steigendem Lebensalter. Das liegt nicht nur daran, dass die jüngere Rentnergeneration mit digitalen Kommunikationsformen vertrauter ist als die ältere. Der Gebrauch neuer Informationstechnologie wird auch durch sensorische Einschränkungen (Seheinschränkungen usw.) begrenzt. Ebenso spielen Bildung und Einkommen eine Rolle bei der Internetnutzung im Alter. Somit kann die Fixierung auf digitale Prozesse – etwa beim Zahlungsverkehr oder bei Reiseangeboten – auch heute noch ältere Menschen sozial ausschliessen.



Der neue Age Report IV ist ab dem 6. November 2019 erhältlich unter https://www.age-report.ch/de/

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